Über CIRS und Fehlerberichtssysteme – Informationen zum Thema
CIRS = Critical Incident Reporting System
"Critical Incident Reporting Systeme" bezeichnen Berichtssysteme für kritische Ereignisse in der Medizin. Sie sind Teil der medizinischen Qualitätssicherung bzw. Patientensicherheit, des Fehler- und Risikomanagement und somit feste Instrumente medizinischer Qualitätsmanagementsysteme mit dem Ziel eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.
Zielsetzung von CIRS
Berichtssysteme dienen einerseits dazu,
- potentielle Fehler bzw. Schwachstellen in komplexen Arbeitsbereichen aufzudecken, bewusst zu machen und innerhalb einer Institution zu vermeiden bzw. abzustellen,
- über entstandene Fehler offen zu sprechen und mit den beteiligten Kollegen Wege zur Vermeidung zukünftiger Fehler zu diskutieren, Lösungsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen,
- eine Fehlerkultur bzw. ein Arbeitsklima zu schaffen, um Fehler nicht zu vertuschen, sondern konstruktiv als Teil des Verbesserungsprozesses zu erleben.
Andererseits dienen sie anderen Nutzern, die nicht von dem berichteten Ereignis betroffen sind, um
Aufgrund der Möglichkeit, aus den Fehlern bzw. den Berichten der anderen zu lernen, bezeichnet man CIRS auch als Fehlerberichts- und Lernsysteme.
Im Vordergrund der berichteten Fehler oder Fehlerquellen stehen organisatorische Risiken, z.B. von Behandlungsabläufen oder Kennzeichnungen, die zu Verwechslungen führen könnten. Klassische Behandlungsfehler, sogenannte Kunstfehler, werden eher selten berichtet, obwohl auch dies möglich und sinnvoll ist.
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Freiwilligkeit und Motivation
CIRS können als freiwillige oder auch verpflichtende Berichtsysteme konzipiert sein. Die meisten CIRS leben von der freiwilligen Berichterstattung der Nutzer. Sie leben von dem Gedanken des offenen Austausches von Erfahrung, die ja gerne auch als die Summe gemachter Fehler definiert wird.
Die Nutzer eint der Wille zur kontinuierlichen Verbesserung einer Organisation bzw. der medizinischen Betreuung innerhalb der medizinischen Berufs- und Arbeitsgruppen. Die Transparenz von kritischen Ereignissen und Fehlern soll das Lernen aus den Fehlern aller Nutzer fördern.
Anonymität und Vertraulichkeit
Die Berichtssysteme dienen nicht
- der disziplinarischen Überwachung von Mitarbeitern,
- der Anprangerung und Schuldzuweisung von individuellen Fehlleistungen,
- als Recherchematerial für Journalisten und Rechtsanwälte.
Anonymität und Vertraulichkeit der Berichte sind daher essentielle Voraussetzungen für ein CIRS. Anders als in Internet-Foren werden die Berichte und Kommentare daher nicht sofort online freigeschaltet, sondern durchlaufen einen Anonymisierungsprozess, der zumeist aus einem technischen und einem redaktionellen Teil besteht. Je nach Betreiber und Zielsetzung eines CIRS werden sowohl die Identität des Berichtenden technisch verwischt, als auch mögliche inhaltliche Hinweise auf den berichteten Fehlervorgang oder die Identität der Beteiligten redaktionell verändert.
Formen von CIRS
Klassische Fehler-Berichtssysteme können – wie in vielen Kliniken und Arztpraxen üblich – technisch ohne viel Aufwand über Zettelsysteme oder Briefkästen, die in bestimmten zeitlichen Abständen geleert und bewertet werden, installiert werden. Wesentlich eleganter und technisch schnell realisierbar sind CIRS, die über das Intranet einer Organisation oder in Form von webbasierten Datenbanksystemen arbeiten, wie z.B. www.CIRSmedical.de.
CIRS können speziell für eine Organisation, wie z.B. ein Krankenhaus oder eine größere Praxiseinheit angelegt werden. Insbesondere aber bei lokal getrennten Organisationseinheiten bieten sich – beispielsweise für Betreiber mehrerer Klinik-Standorte, Krankenhausverbünde oder auch Ärztenetzwerke – Online-Datenbanken als CIRS an. Vielfach werden sie parallel zu den klassischen Berichtssystemen, die als Ereignis- oder Beschwerdemanagement (weiter) bestehen, genutzt. Beispiele für CIRS von Krankenhäusern und Ärztenetzwerken sind das
- CIRS-Berlin der Berliner Ärztekammer, www.cirs-berlin.de und das
- CIRSmedical-WL der Ärztekammer Westfalen-Lippe, www.aek-wl.cirsmedical.de
Zielgruppenspezifische CIRS bieten ergänzend die Möglichkeit aufgrund ähnlicher medizinischer Tätigkeiten ähnlich auftretende Fehlerquellen und Problemlösungsstrategien zu recherchieren und zu diskutieren.
- Ein zielgruppenspezifisches CIRS ist z.B. das Patienten-Sicherheits-Optimierungs-System der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten, www.PaSOS-ains.de.
- Ein Internet-basiertes Fehlerberichts- und Lernsystem, in das alle im hausärztlichen Bereich tätigen Ärzte und Praxismitarbeiter berichten und aus jedem Fehler lernen können, bietet das Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main unter www.jeder-fehler-zaehlt.de.
- CIRS-Pädiatrie ist ganz ähnlich konzipiert, beschränkt den Zugang aber auf die Zielgruppe der Kinder- und Jugendärzte, Medizinischen Fachangestellten und Kinderkrankenpfleger mittels einer Anmeldung bei www.paedinform.de, dem Internetbasierten-Intranet für Kinder- und Jugendärzte, bzw. www.Praxisfieber.de, das Portal für Medizinische Fachangestellte.
Welche Form für ein CIRS gewählt wird, hängt von der jeweiligen Zielsetzung, der erwünschten Transparenz und individuellen Organisationsstruktur einer medizinischen Einrichtung bzw. Zielgruppe ab.
